Die klassische Krankheit wird so ein Ereignis zuviel


Jedes Individuum hat seinem Wesen entsprechende Krankheiten. Beim Kaninchen ist es die Trummelsucht, bei den Hühnern die nareksche Hühnerlähmung, bei den Bienen die Brutkrankheiten, von denen heute in den Medien und den Erlassen der Behörden viel die Rede ist. Gegenwärtig steht in der Schweiz die Bekämpfung solcher Brutkrankheiten, wie auch der Varroamilbe, an erster Stelle. Wobei: schon bei den alten Griechen waren die verschiedenen Brutkrankheiten bei den Bienen ein Thema. Marco Paroni sagt dazu: «Bin ich ein Imker, der das Wesen der Bienen nicht begriffen hat, geh ich davon aus, dass die Bienen gut und gerne ein bisschen Hunger haben können, dass ich jederzeit in den Brutkästen herumhantieren kann. Ich sehe also nicht, dass ich die Bienen allein damit stresse. Kommen dann noch an sich klassische Krankheiten wie die Sauerbrut dazu, übersteigt das die natürlichen Widerstandskräfte eine Volkes. Wenn nicht, gehen sie vorher an der Varroamilbe zu Grunde. Und schafft das Volk die Milbe noch, wird die Sauerbrut zum Ereignis zuviel.»

 

Bekämpfen reicht nicht. Marco Paroni ist aus eigener Erfahrung überzeugt, dass es nicht reicht, die an sich natürlich vorhandenen klassischen Krankheiten zu bekämpfen: «So kommen wir nicht ans Ziel. Wir müssen das Problem im einzelnen Betrieb und in der Zucht angehen, indem wir nur Völker am Leben erhalten und fördern, die genetisch eine sehr grosse Widerstandskraft mit sich bringen. Das ist das A und O.» Der Imker müsse zudem in einer entsprechend stressfreien Betriebsweise mit der genetischen Vielfalt der Völker arbeiten: «Wir helfen so den Völkern, auch mit den aktuellen Einflüssen von aussen selbst fertig zu werden.»

 

Es steht viel auf dem Spiel. Dieses verantwortungsvolle Handeln ist umso dringlicher, als die Bienenvölker ja nicht allein für die Produktion des Honigs zuständig sind, sondern mit bis zu 90 Prozent ihrer Arbeitskraft das Bestehen unserer vielfältigen Nahrungskette sichern. Im Kanton Bern gibt es verglichen mit der Fläche mit 25 608 Bienenvölkern (2010) die höchste Dichte an Bienenvölkern in ganz Europa. Die Schweiz führt die europäische Länderliste an. Im «Kalender des Schweizer Imkers 2011» werden für das Jahr 2010 aktuell 115 386 Bienenvölker ausgewiesen, Tendenz sinkend. Daselbst ist auch diese Zahl notiert: 14 010 Imker als Mitglieder des «Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB)». Marco Paroni schätzt, dass darunter höchsten 3-5 Prozent Berufsimker sind, der gigantisch grosse Rest betreibt die Bienenzucht als liebgewonnenes traditionelles Hobby.

 
 
 

 

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